Geothermie

Aufsatz zum Geothermietag von VEE-Vorstand Gerd Wolf

Mittwoch, 16. Dezember 2015 - 14:24
VEE Sachsen e.V.

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Er erinnerte unzweifelhaft an Sachsens Glanz und Gloria – der Tagungsort des 12. Sächsischen Geothermietages im Dresdner Hotel Taschenberg-Palais Kempinski. Im glanzvollen Labyrinth des Interieurs verbarg sich  der Tagungsraum samt seiner ca. 80 Tagungsgäste - leider vorwiegend aus der fortgeschrittenen Alterskohorte - in etwas nüchterner Umgebung im Keller. Im Keller befindet sich auch gleichermaßen das  eingangs vom Prof. Steffen Wagner benannte z. Z. einzigartige EGS-Tiefengeothermieprojekt von Aue-Schneeberg (=petrothermale Geothermie)  Nach anfänglich verhaltenem Zweifel an der Aussagefähigkeit der Ende 2012 abgeschlossenen 3D-Seismik im Kristallin  übertrafen  die ersten Interpretationsergebnisse im März 2013 alle  Erwartungen. Das Projekt hätte seinen planmäßigen Abschluss nach der Konzeption von 2009  Ende 2015 (!!?)  vielleicht noch erreichen können, wenn das Projekt nicht unter Berufung auf Unwirtschaftlichkeit und Risiko in „Berlin“ ausgebremst worden wäre. Selbst die „ausgehandelte“ Halbierung des geplanten Bohrungsaufwandes von ca. 25 Mill. € ergab keinen Impuls für den Beginn einer verkleinerten Versuchsanordnung. Bezeichnend war ein von einem Vertreter der sächsischen Landesregierung überraschendes eingeleitetes Ping-Pong-Spiel mit Management- und Risikobällen zwischen Landesseite und Projektseite. Das notwendige Engagement für ein nicht nur von der Fachwelt schon fast „erbetene“ Aussage über die technologische Machbarkeit von EGS-Projekten im Kristallin im europäischen Raum kann auch nicht an der ungeklärten Kosten- und Risikoübernahme scheitern.  Hier ist politisches Herangehen gefragt, da eine Energiewende mit dieser Mentalität nicht hinzubekomme ist. Geothermieprojektkosten einer Zukunftsinvestition von ca. 0,1% der zu erwartenden ca.  <=55 Milliarden € /a  (IfW Kiel, 11.12.15, Anm. vom Verfasser)) aus der Flüchtlingskrise  müssten zu schaffen sein. Das Erschütterungsrisiko der Magnituden <3 des geothermischen Experimentes ist zudem beherrschbar und unbedeutend gegenüber den sozialen Erschütterungen eines  gesellschaftlichen Experimentes mit ungewissen zukünftigen Ausgang. Das ambitionierte Dresdner Geothermieprojekt (DREWAG) ist folglich auch weit in die Zukunft entrückt. Es ist nicht unbedingt eine naturgegebene Gesetzmäßigkeit, dass  petrothermale Pionierprojekte in Dimensionen von Jahrzehnten gedacht werden müssen.

Es sind nicht nur die natürlichen Überraschungen der technologischen Neulanderschließung, es ist vor allem das vermeidbare nicht überraschende institutionelle Restriktionsverhalten, das sich selbst auf einem politisch verbindlich erklärten Weg der Energiewende immer wieder einstellt.   

Nicht nur diese Problematik, sondern der gesamte Zustand der Geothermie  in Sachsen gab Anlass zur Vorstellung einer Geothermie-10-Punkte-Agenda, die auch als ein Engagement-Vermächtnis von Prof. Wagner zu verstehen bzw. zu beherzigen ist, da er aus Altersgründen seine Projektbeteiligung einstellen muss.

Nicht nur die Geothermie  zeigt das universelle Einschwingverhalten  von neuen Techologieentwürfen – plötzlich steiles Aufschwingen aus langem Anlauf bis in euphorische Höhenflüge mit nachfolgenden freien Fall bis ins Tal der Ernüchterung  und  wieder langsames Aufsteigen und Einschwingen auf das Plateau der  Praxis – lässt sich auch in der Bohrtechologie festmachen. Es wird absehbar bei dem Rotaryverfahren bleiben und die Praxis erfahrene Projektierung der besonders kostensensiblen Auslegung  von Geothermiebohrungen wird entscheidend sein.

Die oberflächennahe Geothermie (Erdsonden+Wärmepumpe) hat sich weiter etabliert und  erlaubt  Sachsen sogar den Platz 3 im Bundesländerranking. Eine ungebremste weitere Verbreitung kleiner „Häusleanlagen“ ist nicht zu erwarten, da sich die Luftwärmepumpe zunehmend investitionsfreundlicher  erweist.  Die spezielle Eignung von  großen Erdsondenfeldern wird sich  zukünftig im alternierenden Heiz- und Kühlvorgängen     erweisen können. Gaswärmepumpen sind kostenmäßig nicht konkurrenzfähig trotz  technologisch bedingter Sondenlängenreduktion. Als sächsische Spezialität sind zudem noch Entwicklungen bei der Nutzung von Grubenwässern anzusehen, wenn auch nur marginal.

Erneute Verweise auf die scheinbar paradoxe Allianz von Kälteerzeugung und Geothermie runden die Vorstellungen über das vielseitige Potenzial  der Geothermie ab.

Allen Elektrowärmepumpen und damit auch der oberflächennahen Geothermie bleiben aber noch solange die 100%-Regenrative-Energie-Weihen vorenthalten, solange der Strom nicht ebenfalls 100%ig regenerativ erzeugt wird.  Überhaupt wird die strombasierte Energiewende je nach zukünftiger „Überschussproduktion“  in Form der direkten elektrischen Heizung  als eleganteste  Lösung auch den Wärmemarkt mitbedienen können, wobei Impulse für die geothermischen Speicherlösungen interessant werden

Die tiefe Geothermie wird sich auf die Bedienung des Wärmemarktes konzentrieren müssen unabhängig von KWK-Potenzialen unter günstigen geologischen Voraussetzungen.

Damit die Zitate aus der Überschrift wieder eingefangen werden können, sollte der Verweis auf die aktuellste politische Positionierung dienen:  „..weil es zur Identität unseres Landes gehört, Größtes zu leisten „ (Merkel, 14.12.15). Da  sollte man optimistisch sein können, wenn sich diese Haltung auch auf die klassische deutsche Erfolgsgeschichte der wissenschaftlich-technischen Entwicklungen beziehen würde.

Folglich gibt es für die VEE Sachsen e.V. auch  keine „Obergrenzen“ für ein Engagement für die Energiewende (dieser Zusatz in eigener Sache sei gestattet, der Verfasser)

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3. Ostdeutsches Energieforum

Freitag, 18. September 2015 - 11:43
VEE Sachsen e.V.

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Zum dritten Mal trafen sich die Vertreter der ostdeutschen Unternehmen in Leipzig zum ostdeutschen Energieforum. Eingeladen hatten die Unternehmerverbände Ostdeutschlands und die IHK Leipzig. Laut Leipziger Volkszeitung waren etwa 300 Teilnehmer anwesend, die den Schulterschluss der Unternehmerverbände mit der Braunkohleindustrie in Energiefragen vollzogen.

Die Forderungen des ostdeutschen Energieforums lassen keine Strategie erkennen wie die veraltete fossile Stromerzeugung mit ihren immensen finanziellen und gesundheitlichen Belastungen für die Menschen sinnvoll zurückgebaut werden kann. Im Gegenteil: Die Forderungen des Forums wird von Ministerpräsident Tillich untermauert, der davon überzeugt ist, "dass wir die Braunkohle noch viele Jahrzehnte brauchen". Das die Erneuerbaren Energien (EE) mittlerweile in Deutschland ein Drittel des Strommarkts ausmachen und für Versorgungssicherheit sorgen wurde ebenso ausgelassen wie die positiven Effekte der Erneuerbaren Energien für den Arbeitsmarkt. [...]

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VEE Sachsen e.V. auf dem Tag der Sachsen 2015

Donnerstag, 03. September 2015 - 20:15
VEE Sachsen e.V.

tds-2015(1).pngAm ersten Wochenende im September findet wie jedes Jahr der Tag der Sachsen statt. Die VEE Sachsen e.V. (Vereinigung zur Förderung der Nutzung Erneuerbarer Energien) ist nun zum vierten Mal dabei und präsentiert die Entwicklungen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Die aktuellen Themen des Verbandes sind: Wärme, Mobilität, Strom ohne Kohle- und Kernkraft. Die VEE will damit die Importabhängigkeit von Energieträgern sowie ihre Klimaauswirkungen verringern und die Innovations- und Wirtschaftskraft Sachsens stärken.

Die VEE Sachsen e.V. tritt als Mittler zwischen Bürgern, Unternehmen und der Politik auf und nimmt Bildungsaufgaben wahr. Engagierte Leute aus unterschiedlichen Fachrichtungen finden sich im Verband zusammen und setzen sich gemeinsam für die Nutzung Erneuerbarer Energien ein.

Das geht mit der Nutzung der Windenergie und der Wasserkraft genauso wie mit der Geothermie und dem Einsatz von Biomasse. Zur Energieversorgung für ein Haus gehören heute neben der Stromerzeugung aus Sonnenlicht genauso die Bereitstellung von Wärme sowie die Energieeffizienz zur Reduzierung des Bedarfs an konventionellen Energieträgern. Denn im Bereich der Wärmeversorgung können moderne Häuser mit Sonnenkollektoren oder durch Wärmeauskopplung bei Kaminen oder BHKWs unabhängiger von Öl und Gas werden. Passivhäuser kommen sogar ohne Heizung aus. In den eigenen vier Wänden kann man auch unabhängig vom öffentlichen Stromnetz werden, denn die Kombination moderner Systeme ist dazu bestens geeignet.

Die Kopplung unterschiedlicher Energiequellen sorgt im großen und kleinen Maßstab für Kontinuität, denn Windenergie, Wasserkraft und Biomasse stehen im Gegensatz zur Sonne auch in den Nachtstunden zur Verfügung.

Was gibt es zu sehen auf dem Stand der VEE Sachsen e.V. in Wurzen?

  • Windenergieanlage als Modell und Informationen zur Windenergie
  • Wasserkraftanlagen als Modell (am Nachbarstand des Wasserkraftverbands)
  • Stromversorgung mit PV-Modulen und Speicher
  • Kraft-Wärme-Kopplung
  • Solarthermie welche Kraft steckt in der Sonne? - Kochen mit Sonnenenergie
  • Speicher für elektrische Energie und Wärmeenergie, praxiserprobte Modelle
  • Spiele und Basteln für Kinder mit Bastelbögen, Malen und Luftballons
  • Elektroautos, Renault ZOE und BMW i3

     Sie finden uns in 04808 Wurzen, Amtsweg, Wirtschaftsmeile, Stand Nr. V-048 (siehe Stadtplan)

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