JUWI und FERALPI STAHL kooperieren: Rückenwind für die sächsische Stahlindustrie

8. Januar 2026
Innovationen aus Sachsen
Luftaufnahme Feralpi Stahl - Foto (c) David Ohl

Eine geplante Kooperation zwischen dem Projektentwickler JUWI und dem italienischen Stahlhersteller FERALPI STAHL zeigt: Die Produktion mit erneuerbaren Energien wird zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil für die Industrie. Und der Ausbau erneuerbarer Energien ist eng mit der Sicherung von Arbeitsplätzen verknüpft – auch hier in Sachsen. (Foto Titelbild © David Ohl)

Zwei Windenergieprojekte des Windkraft-Projektierers JUWI im sächsischen Ostrau, rund fünf Kilometer voneinander entfernt, befinden sich derzeit noch im Genehmigungsverfahren und sollen voraussichtlich 2029 in Betrieb gehen. JUWI und FERALPI STAHL haben hierzu eine Absichtserklärung unterzeichnet, die dem Stahlhersteller zu einem späteren Zeitpunkt die Möglichkeit schafft, Teile eines Windparks erwerben zu können. Für den Industriestandort Sachsen ist das von zentraler Bedeutung – denn von der Umsetzung der Projekte hängen bei FERALPI STAHL konkret Arbeitsplätze ab.

Der Zeitrahmen fügt sich dabei in die langfristige Entwicklungsstrategie des Feralpi-Standorts in Riesa ein: „Letztlich hat es auch deshalb funktioniert, weil es örtlich und zeitlich sehr gut zusammenpasst“, erklärt Dr. Elisabeth Jüschke, Leiterin Projektentwicklung bei JUWI. „FERALPI STAHL hat viele Mitarbeitende in der Region und einen hohen, langfristigen Energiebedarf – das war von Anfang an eine sinnvolle Konstellation.“

Foto © FERALPI STAHL

Wer grün produziert, bleibt wettbewerbsfähig

Seit 2021 dauerhaft gestiegen Energiekosten als auch der zunehmende Druck auf die Stahlindustrie, klimafreundlich zu produzieren, sind Treiber für die Kooperation. Die Nachfrage nach emissionsarm hergestelltem Baustahl wächst weltweit – ohne bezahlbare, erneuerbare Energien droht der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Allerdings gibt es auf der Kundenseite bisher nur eine begrenzte Bereitschaft, für grünen Stahl mehr Geld zu zahlen, da die Schaffung von grünen Leitmärkten bisher mehr angekündigt als umgesetzt ist.

Für energieintensive Unternehmen wie FERALPI STAHL bedeutet das auch: Strom aus erneuerbaren Quellen sollte möglichst selbst erzeugt werden, um tatsächlich von den günstigen Gestehungskosten partizipieren zu können. Die geplanten Windparks könnten hierfür eine zentrale Rolle spielen: „Wir dekarbonisieren unsere Produktionsprozesse konsequent. Die Zusammenarbeit mit JUWI stellt einen weiteren möglichen Schritt auf unserem Weg zum Hauptziel dar: grünen Stahl in Riesa zu produzieren“, erklärt Uwe Reinecke, General Manager von FERALPI STAHL in Riesa.

Alle Optionen offenhalten

Die konkrete Ausgestaltung der Kooperation ist noch offen. Klar ist jedoch, dass FERALPI STAHL frühzeitig in die Projekte eingebunden ist. „Feralpi erhält die Möglichkeit, die Anlagen schlüsselfertig zu übernehmen“, so Jüschke. Der aktuelle Stromlieferant von FERALPI STAHL ist Axpo Deutschland GmbH. Eine mögliche Investition in Windenergieanlagen kann nur ein Schritt von vielen sein. Selbst beide Windparks in Ostrau würden nur eine Teilmenge des gesamten Stromverbrauchs von FERALPI STAHL abdecken können.

Zeitlich fügt sich das Vorhaben gut in die Standortentwicklung ein: Feralpi hat zuletzt unter anderem in ein eigenes Umspannwerk, was vollständig SF6-frei ist und ein im Scope 1 emissionsfreies Walzwerk investiert, um einen möglichst umfassenden Beitrag zur Senkung der CO₂-Emissionen zu leisten. „Die Investitionen von mehr als 220 Millionen Euro in unser Werk in Deutschland zeigt, dass wir an die Zukunft der deutschen Stahlproduktion glauben“, betont Reinecke.

Foto © FERALPI STAHL

Arbeitsplätze sichern

Entscheidend für den weiteren Verlauf: das Genehmigungsverfahren. „Das Wichtigste ist jetzt, dass wir die Genehmigungen für die Windparks bekommen“, sagt Jüschke. Sie hofft dadurch auch auf mehr Aufmerksamkeit seitens Politik und Behörden. Denn aus Sicht von JUWI geht es um weit mehr als grüne Erzeugungskapazitäten: „Von diesen Windparks hängen bei Feralpi Arbeitsplätze ab. Der Ausbau erneuerbarer Energien sichert ganz konkret die industrielle Wertschöpfung in der Region“, so Jüschke.