PM 7/12 vom 12.04.2012 VEE Sachsen e.V.: Auswertung Repoweringumfrage in Sachsen
Repoweringumfrage des VEE Sachsen e.V. – Sächsische Politik muss endlich verbindliche Rahmenbedingungen für das Repowering in Sachsen schaffen – Anlagenbetreiber stehen schon in den Startlöchern
Repowering von alten Windenergieanlagen (WEA) im Binnenlandbereich ist spätestens seit der Energiewende verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit und der Anlagenbetreiber geraten. Der Austausch von Altanlagen durch binnenlandoptimierte WEA der neuesten technologischen Gene-ration kann bis zum neunfachen Windstromertrag pro Jahr erbringen. Durch Repowering kann daher in naher Zukunft ein erheblicher Teil der Strommenge für unsere zukünftige Energiever-sorgung bereitgestellt werden.
Neben der Steigerung der Energieeffizienz, können durch Repowering von technologisch überholten WEA kommunale Einnahmen verbessert, das Landschaftsbild entlastet, mögliche negative Auswirkungen für Mensch und Natur reduziert, eine bessere Netzintegration gewährleistet sowie eine Erhöhung des Anteils Erneuerbare Energien am Stromverbrauch geleistet werden. Damit übernehmen wir durch die Windenergienutzung einen erheblichen Klimaschutzbeitrag.
Auch in Sachsen gewinnt das Thema Repowering einen immer höheren Stellenwert. Der erste Windpark entstand bereits 1992 im Erzgebirge. Hier wurden fünf WEA, mit einer Leistung von 75 bis 250 kW und einer Nabenhöhe von 30 bis 36 Metern errichtet. Seitdem vollzog sich im Bereich der WEA eine wahre technologische Revolution. Ende 2011 befanden sich in Sachsen (Stand 31.12.2011) bereits 847 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 989 MW am Netz.
Trotz dieser Vorteile der Windenergie und dem in ausreichenden Maße vorhandenen Potenzial, das belegt eindrucksvoll die im September 2011 veröffentlichte Repowering-Studie der VEE Sachsen e.V., kommt der Austausch von Altanlagen in Sachsen bisher nicht voran. Von den Autoren der Studie wurden 501 WEA in Sachsen als repoweringfähig eingestuft. 2010 wurden fünf 500-kW-WEA gegen drei 2-MW-WEA ausgetauscht, und im Jahr 2011 wurde keine einzige WEA ersetzt.
Dass dies nicht am Unwillen der sächsischen WEA-Betreiber liegt, bestätigt nun eine von der VEE Sachsen e.V. durchgeführte Befragung von sächsischen Anlagenbetreibern eindrucksvoll. Insgesamt repräsentieren diese einen Bestand von 129 Anlagen an 73 Standorten mit einer Ge-samtleistung von 86 MW. Die Befragung ergibt, dass sich eine Mehrheit das Repowering ihrer Altanlagen in den nächsten drei Jahren vorstellen kann. Diese repräsentiert insgesamt 77 WEA (rund 60%) mit einem durchschnittlichen Alter von ca. 13 Jahren und einer durchschnittlichen Leistung von 604 kW/WEA.
Die Diskrepanz zwischen dem Wollen der Anlagenbetreiber und der tatsächlichen Umsetzung wird durch die Auswertung der negativ beschiedenen Antworten deutlich (hier waren Mehrfach-nennungen zulässig). Die große Mehrzahl der Anlagenbetreiber kann und will die Altanlagen, aufgrund fehlender Rahmenbedingungen, derzeit nicht ersetzen. Einen Spitzenwert erreichte dabei das Problemfeld, dass an vielen Standorten, die WEA nicht in den von den Regionalen Planungsverbänden ausgewiesenen Vorrang-/Eignungsgebieten für Windenergieanlagen stehen. Hier würde ein Rückbau das Erlöschen der Genehmigung zur Folge haben.
Ein weiterer Hinderungsgrund sind die teilweise zu geringen Abstände zur angrenzenden Wohnbebauung, welche den Austausch einer Altanlage unmöglich machen. Auch Probleme, bzw. Unabwägbarkeiten beim Anschluss der neuen Anlagen an das bestehende Stromnetz werden von den Anlagenbetreibern als wichtiger Hinderungsgrund für das Repowering alter WEA angegeben.
Eins macht die Umfrage aber sehr deutlich: Die Anlagenbetreiber haben ein großes Interesse daran ihre Altanlagen durch binnenlandoptimierte WEA neuester Generation zu ersetzen und stehen schon in den Startlöchern.
Hier muss nun die Sächsische Staatsregierung aktiv werden und die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. So legt die Sächsische Staatsregierung im Entwurf des Energie- und Klimaprogramms zukünftig einen Schwerpunkt in der Energieversorgung auf die Windenergie und das Repowering von alten WEA. Im Entwurf des Landesentwick-lungsplans (LEP) 2012 werden die Regionalen Planungsverbände angehalten, Flächen für das Repowering auszuweisen, auf denen der Ersatz für den Rückbau von WEA, welche sich außerhalb von Vorrang-/Eignungsgebieten befinden, ermöglicht wird. Die Problematik, wie am neuen Standort die entsprechenden Flächen gesichert werden können, wurde in der Repowering-Studie der VEE Sachsen e.V. von den Autoren als sehr kompliziert und aufwendig beschrieben; im LEP-Entwurf 2012 findet sich dazu keine Aussage.
Unsere Forderung daher:
- Nach Einzelfallüberprüfung Überführung der Altanlagenstandorte in den Rechtsstatus Vorrang-/Eignungsgebiet
- Ausweisung neuer Vorrang-/Eignungsgebiete – übrige Gebiete sollen dabei nicht mehr gleichzeitig Ausschlussgebiete werden
- Agentur für Meditation bei Repoweringprojekte
- Aufhebung sämtlicher Höhenbegrenzungen für WEA
- Öffnung von Nutzwaldflächen etc. für die Windenergienutzung
- Ausweisung von mindestens 1,5% ( 2%) der sächsischen Landesfläche für die Windenergie
- Erhöhung des Windstromzieles im EuK auf 35% Anteil am Jahresstromverbrauch
- Aufnahme verbindlicher Rahmenbedingungen für die Windenergie in den Entwurf LEP 2012
Die VEE Sachsen e.V. verfügt über beste fachliche Kompetenzen und bietet den Planungs- und Genehmigungsbehörden die Zusammenarbeit an.
Hintergrundinformation:
- Auswertung der Umfrage
- Repowering-Studie der VEE Sachsen e.V.
- Stellungnahme der VEE Sachsen e.V. zum EuK
Ansprechpartner:
Jan Schubert
Geschäftsführer